Mit der Ausweisung neuer Baugebiete wie Friedrichsgabe und dem Ausbau der U1 nach Norderstedt-Mitte wuchs der Druck, auch schwierige Marschböden sicher zu bebauen. Die pleistozänen Beckentone und Geschiebemergel unter der Stadt stellen Planer vor eine zentrale Frage: Wie verhält sich der Boden bei Wasseraufnahme? Genau hier setzt die Bestimmung der Atterberg-Grenzen an. Unser Labor ermittelt Fließ- und Ausrollgrenze nach DIN 18122, um die Plastizität bindiger Schichten verlässlich einzustufen. Gerade im Übergang zwischen der sandigen Geest und den holozänen Senken, die Norderstedt prägen, schwankt die Konsistenz des Untergrunds auf kurzer Distanz – eine Korngrößenanalyse liefert die ergänzende Kornverteilung, und der Proctorversuch definiert die Verdichtungsziele für den Wiedereinbau.
Die Plastizitätszahl ist kein abstrakter Wert – sie entscheidet, ob der Boden unter Verkehrslast pumpt oder standhält.
Methodik und Umfang
Lokale Besonderheiten
Bei einer Tiefbaumaßnahme in der Ulzburger Straße standen die Bagger im November in schluffigem Geschiebelehm, der laut Bodengutachten als TM eingestuft war. Die Baustraße wurde ohne ausreichende Tragschicht auf dem planierten Planum angelegt – nach drei Tagen Niederschlag sackten die Radlader ein, das Material walzte sich plastisch auf, statt zu verdichten. Die Plastizitätszahl von 14 % erklärte das Versagen: Der Boden nahm Wasser auf, quoll und verlor jede Tragfähigkeit. Die Atterberg-Grenzen hätten bereits in der Vorerkundung gezeigt, dass dieser Boden frostempfindlich und witterungsanfällig ist – der Bodenaustausch wäre von Anfang an mit kalkstabilisiertem Material eingeplant worden. In Norderstedt mit seinen oberflächennahen Geschiebemergeln und Beckenschluffen ist die Konsistenzzahl der direkteste Indikator für die Baubarkeit im Erdbau.
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Geltende Normen
DIN 18122-1:1998-07 (Fließ- und Ausrollgrenze), DIN EN ISO 17892-12:2018 (Konsistenzgrenzen, europäisch harmonisiert), DIN 18196:2011-05 (Bodenklassifikation für bautechnische Zwecke)
Zugehörige Fachleistungen
Klassifikationsprüfung nach DIN 18196
Kombination aus Korngrößenverteilung und Atterberg-Grenzen zur eindeutigen Zuordnung der Bodengruppe. Benennung mit Kurzzeichen und Frostempfindlichkeitsklasse.
Konsistenzüberwachung im Erdbau
Regelmäßige Bestimmung der natürlichen Wassergehalte und der Konsistenzzahl Ic während der Aushub- und Einbauphase. Dokumentation in Abhängigkeit von Witterung und Baufortschritt.
Verdichtbarkeitsprognose
Ableitung des optimalen Einbauwassergehalts aus der Relation wL/wP. Empfehlung für Kalk- oder Bindemittelzugabe bei hochplastischen Tonen (TA) in Norderstedt.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Was kosten die Atterberg-Grenzen pro Probe im Labor?
Für die Bestimmung von Fließ- und Ausrollgrenze an einer gestörten Probe liegen die Kosten im Bereich von 50 bis 100 Euro netto, abhängig vom Aufbereitungsaufwand und ob die Prüfung im Akkord mit anderen Versuchen beauftragt wird.
Welche Bodenarten müssen nach DIN 18196 auf Atterberg-Grenzen geprüft werden?
Alle bindigen Böden mit einem Feinkornanteil (< 0,063 mm) über 40 % sowie gemischtkörnige Böden, wenn der Feinkornanteil die Eigenschaften dominiert. Reine Sande und Kiese benötigen keine Konsistenzgrenzen.
Warum trocknen Sie den Boden bei nur 40 °C und nicht bei 105 °C?
Die DIN 18122 schreibt 40 °C vor, weil höhere Temperaturen das im Tonmineral gebundene Kristallwasser austreiben und die Plastizität irreversibel verändern. Bei 105 °C würden Sie falsch niedrige Werte messen.
Reicht die einfache Bestimmung der Atterberg-Grenzen für die Gründungsbeurteilung?
Nein, sie ist ein Klassifikationsmerkmal. Für die Dimensionierung einer Gründung benötigen Sie zusätzlich die Scherfestigkeit aus dem Triaxial- oder Rahmenscherversuch sowie die Steifemoduln aus dem Kompressionsversuch.
